Sanmat - Spirituelle Frauenarbeit in Berlin

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Sanmat- Spirituelle Frauenarbeit in Berlin:

Beratungsangebote, Therapieangebote, Gruppenangebote, Seminare für Frauen, die Probleme mit ihrem Frausein

Scham & Schuld

 

Lust, Scham und Schuldgefühle

 

Im Rahmen unserer Frauengruppen haben wir uns Gedanken darüber gemacht, woher es eigentlich kommt, dass es uns Frauen so schwer fällt, zu unserer Lust zu stehen. Viele Frauen haben große Schwierigkeiten, darüber zu sprechen, was ihnen Lust bereitet, welche erotischen Fantasien oder sexuellen Vorlieben sie haben und ob sie Spaß daran haben, sich selbst zu befriedigen.

 

Ein gutes Körpergefühl, eine lustvolle Sexualität und ein lebendiger, emotionaler Ausdruck sind eigentlich etwas ganz Natürliches. Wir haben alle eine große Sehnsucht danach, uns in unserer Sexualität lustvoll und ekstatisch erleben zu können und verstehen oft selbst nicht, woher die starken Scham- und Schuldgefühle kommen, wenn wir z. B. über unsere Lust sprechen wollen.

 

Kirche, Staat und auch die Forschung haben alles dafür getan, um Normen und Regeln für unser Sexualverhalten in unseren Köpfen zu installieren. Die Kirche findet Selbstbefriedigung und lustvollen Geschlechtsverkehr auch heute noch ablehnenswert, Sexualität dient ausschließlich der Fortpflanzung. Der Staat hat lange Jahre die Homosexualität verboten. Die Forschung bietet uns immer wieder neue Statistiken an, wie häufig man in welcher Stellung mit seinem Partner schlafen sollte. Zur Zeit findet man in den Medien viele Berichte über Masochismus, Sadismus und Fetischismus. Wonach soll man sich also richten? Was ist richtig und was ist falsch?

 

Lust am eigenen Körper und an seiner Sexualität zu empfinden ist eigentlich etwas ganz Natürliches und in jedem von uns potentiell angelegt. Bei Babys und kleinen Kindern, die noch eine unschuldige und natürliche Beziehung zu ihrer Körperlichkeit haben, kann man den neugierigen und lustvollen Umgang mit dem eigenen Körper beobachten. Für Kinder ist nichts eklig am eigenen Körper, noch nicht einmal ihre Ausscheidungen. Kinder genießen es, sich zu erforschen, sich zu berühren und dabei Lust zu empfinden. Was rein und was schmutzig an uns ist, bekommen wir erst beigebracht.

 

In meiner therapeutischen Praxis mache ich immer wieder die Erfahrung, dass die meisten meiner Klientinnen Schwierigkeiten haben, darüber zu sprechen, was ihnen Lust bereitet und wie sie es gerne treiben. Es ist ihnen peinlich. Besonders stark ausgeprägt sind die Schamgefühle, wenn Frauen darüber sprechen sollen, wie sie sich selbst Lust bereiten, fast als wenn es verboten sei und nur heimlich geschehen dürfe. Wenn sie sich selbst befriedigen haben sie das Gefühl, etwas schmutziges und verwerfliches zu tun.

 

Wer entscheidet eigentlich darüber, was ich als lustvoll empfinden darf, wenn nicht ich selbst? Diese inneren Haltungen und moralischen Glaubenssätze wurden uns antrainiert und stehen im Widerspruch zu unseren eigentlichen Bedürfnissen und Gefühlen. Wir verspüren eine Angezogenheit, der wir am liebsten folgen würden und gleichzeitig vernehmen wir eine innere Stimme, die uns sagt: „Das darfst Du nicht, das ist schmutzig, darüber redet man nicht“ Diese ambivalenten Impulse in uns wirken stark verunsichernd und machen uns sprachlos und hilflos.

 

"Gute Mädchen tun so etwas nicht", mit dieser Einstellung hindern sich viele Frauen daran, ihre Sexualität lustvoll und offen auszuleben.

Sie haben bestimmte Normen verinnerlicht, dass man beispielsweise beim Geschlechtsverkehr nicht schreien darf, dass frau sich beim Anblick eines attraktiven Mannes keine Phantasien machen darf, dass es unmoralisch sei, den Mann zu verführen oder eine vulgäre Sprache zu gebrauchen, dass frau sich beim Sex nicht selbst stimulieren darf, ...

Sobald sie den Pfad der Tugend verlassen, werden sie in ihren Augen zu Huren oder moralisch bedenklichen Wesen.

Auch das Bild einer guten Mutter kollidiert mit dem Bild einer sexuell attraktiven Frau. Gewisse Formen des Sex erscheinen aus ihrer Sicht als etwas Animalisches, Schlechtes und Egoistisches.

 

Wichtig ist aber zu berücksichtigen, dass es auch eine natürliche Scham gibt, die die Sexualität und das Zusammenleben von Menschen regelt.

Scham sorgt z.B. dafür, dass Sexualität "eingeschränkter" und nicht zu jeder Zeit und überall stattfindet. Die Entstehung des Schamgefühls ist Bestandteil eines Reifungsprozess, der vor allem in der Pubertät eine wichtige Rolle spielt. In Zeiten, wo große körperliche und seelische Veränderungsprozesse stattfinden, ist es natürlich, sich in sich selbst zurückzuziehen und sich neu zu orientieren.

 

Scham verdient es also, dass sie beachtet und angenommen wird, es wäre falsch, sie einfach zu übergehen. „Sie reguliert unsere Beziehungen, wie weit wir uns öffnen, uns anpassen oder uns selbst treu bleiben“. Sie schützt nicht nur unsere intimen Gefühle und Gedanken davor, ungewollt nach außen zu dringen, sie hilft auch, uns selbst besser kennenzulernen und unseren Weg durchs Leben zu finden.

Sansara Wilberg

Sansara Wilberg

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